Dienstag, 13. Dezember 2016

Norwegen

6 Jahre habe ich darauf gewartet. Gewartet, das Rauschen der gigantischen Wasserfälle zu hören, das klare Wasser des Fjords an meinen nackten Waden zu spüren; und gewartet, dich endlich wieder zu sehen.
Doch du warst nicht mehr da, nicht am steinernen Steg, nicht an der roten Holzhütte und auch nicht an dem kleinen Kino, in dem wir diese alten Filme geguckt haben, von denen wir wussten, dass wir kein Wort verstehen würden.
All das kam wieder in mir auf – die ganzen Geschichten, die wir zusammen erlebt haben. Weißt du noch, als wir zwischen den Kirschbäumen im hohen Gras lagen und du mir erzählt hast, weshalb die Früchte nur hier so gut schmecken. Zum Beweis hast du mir sechs auf einmal in den Mund gelegt.
Oder als wir uns in der Mittsommernacht vom Fest weggeschlichen haben und bis auf die Spitze des schiefen Berges gestiegen sind. Um genau 5.26 Uhr hast du begonnen aus vollem Halse meinen Namen zu rufen, immer und immer wieder bis ich anfing auch deinen zu rufen und unsere Schreie irgendwann in ein so herzliches Lachen übergingen, dass wir nicht mehr aufhören konnten.
Doch nun bist du nicht hier. Es hätte mir klar sein sollen, wie absurd die Idee war, du hättest gewartet, dein Leben nicht weiter geführt. Du hast immer davon gesprochen, den Ort zu verlassen. Du wolltest in die große Stadt. Da musst du wohl nun sein.
Jetzt sitze ich im Zug, die unberührte Natur zieht verschwommen an mir vorbei und in den Spiegelungen aus Fensterscheibe, Sonnenstrahlen und Wald erkenne ich dich.

2 Kommentare:

Felise hat gesagt…

was für wunderschöne worte.

Weil Träumen die wachste Art des Daseins ist hat gesagt…

Wunderschöne Worte und wunderschöne Bilder! Norwegen ist einfach ein Traum! :)

Kommentar veröffentlichen

 
Copyright © 2012-2016 lenlich || Impressum